Entstehung von Hautkrebs auf der Spur

Artikel in der Mittelbayerischen vom 19.12.2011

In ganz Deutschland suchen Forscher nach den molekularen Ursachen des Melanoms. Koordiniert wird der Verbund von einer Regensburger Biologin.

  Vorsorgeuntersuchungen   
  beim Hautarzt hält die
  Regensburger Biologin Prof.
  Dr. Anja Boßerhoff für
  sinnvoll – vor allem, wenn
  man Veränderungen an
  einem Muttermal bemerkt,
  sollte man sofort zum Arzt
  gehen. Foto: dpa

  Von Louisa Knobloch, MZ

 


Regensburg. Der schwarze Hautkrebs – von Fachleuten malignes Melanom genannt – ist ein besonders aggressiver Tumor. Schon früh bildet er Metastasen, die sich in der Haut, den Lymphknoten und den inneren Organen ausbreiten können – dadurch sinken die Chancen auf Heilung. „Bereits bei einem Melanom von 1,5 Millimetern Größe steigt die Rate der Metastasierung an“, erklärt Prof. Dr. Anja Boßerhoff. Die Biologin erforscht mit ihrer Arbeitsgruppe am Regensburger Uniklinikum, warum die Tumore entstehen und warum sie so aggressiv metastasieren.

Ein Grund könnte der zelluläre Ursprung der Tumorzellen selbst sein: Beim schwarzen Hautkrebs sind Pigmentzellen betroffen. Diese werden in der Neuralleiste gebildet und verteilen sich während der Entwicklung eines Embryos in der ganzen Haut. „Das bedeutet, dass diese Zellen von Natur aus ein großes Potenzial haben, zu wandern“, so Boßerhoff.

Verbund forscht gemeinsam

Bei Tumorzellen versagen die Kon-trollmechanismen des Körpers. Wenn ein Reiz von außen kommt, wird in der Zelle ein Signalweg aktiviert – bei gesunden Zellen ist das ein stark strukturierter Prozess. Eine Hautzelle in der Lunge könnte nicht überleben. Bei Tumorzellen sind jedoch die Kontrollpunkte verloren gegangen, die laufenden Prozesse können nicht mehr abgeschaltet werden. Dies ermöglicht Tumorzellen, eigenständig und unkontrolliert zu wachsen – auch in Körperregionen, in denen sie nichts zu suchen haben.

Boßerhoff und ihre Arbeitsgruppe suchen also nach den regulierenden Schaltern, die in der Tumorentstehung verloren gegangen sind. Eine komplexe Aufgabe: „Das Problem kann an verschiedenen Signalwegen liegen und es gibt auch verschiedene Methoden, diese Schalter zu finden“.

Viel zu tun für eine einzelne Forschergruppe. Boßerhoff hat deshalb 2007 den Verbund „Molekulare Mechanismen der Entstehung und Progression des malignen Melanoms“ initiiert, dessen Koordinatorin und Sprecherin sie seither ist. Der Verbund umfasst 13 Teilprojekte in ganz Deutschland. „Jede Gruppe hat einen eigenen Schwerpunkt“, erklärt Boßerhoff die Arbeitsweise. So können die Forscher die Krankheit unter verschiedenen Aspekten untersuchen. Ein regelmäßiger Austausch über Methoden und Erkenntnisse – unter anderem bei zwei jährlichen Treffen – bringt das Verständnis der Krankheit weiter voran.

„Vor dem Verbund gab es keine wirkliche Interaktion zwischen Melanomforschern in Deutschland“, sagt Boßerhoff. Die Ergebnisse, die die Kollegen etwa in Fachzeitschriften veröffentlichen, könne man zwar nachlesen – wichtig sei aber auch das, was nicht publiziert werde: „Wenn ich weiß, was die Kollegen schon ergebnislos versucht haben, brauche ich es nicht auch zu machen“. Unterstützt wird der Verbund seit 2008 von der Deutschen Krebshilfe. Für die 2011 gestartete zweite Förderperiode bekamen die Forscher weitere 3,2 Millionen Euro, um ihre Projekte voranzutreiben. „Wir konnten zeigen, dass wir als Verbund sehr viel stärker sind als Einzelprojekte“, sagt Boßerhoff. „Schließlich arbeiten wir alle gemeinsam auf ein Ziel hin.“

UV-Strahlung als Risikofaktor

Die Entwicklung therapeutischer Ansätze und neuer Medikamente ist so ein Ziel – zunächst müssen die Forscher aber verstehen, welche molekularen Mechanismen bei der Entstehung und Ausbreitung von Melanomen eine Rolle spielen und die relevanten Signalwege und Regulatoren identifizieren. „Einige Projektgruppen arbeiten auch schon mit Substanzen, die sie über den Verbund an einem Hautmodell sowie an Mäusen und Fischen testen“, sagt Boßerhoff.

Was den schwarzen Hautkrebs auslöst, ist ebenfalls noch nicht vollständig geklärt, aber Sonnenbrände in der Kindheit sind ein wichtiger Risikofaktor. Ein weiterer sind Solarien – Boßerhoff findet es daher gut, dass die Regierung 2009 Minderjährigen die Benutzung verboten hat. Wer viele Muttermale hat, sollte diese beobachten und bei Veränderungen – etwa, wenn das Muttermal wächst oder juckt – einen Hautarzt aufsuchen.

Die Biologin rät, bei einem Verdacht lieber einmal zu oft nachschauen zu lassen. Und auch wenn gebräunte Haut als attraktiv gilt: „Der Gesundheit zuliebe sollte man sich lieber mal in den Schatten setzen“.


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